Das Haus im 'Städtchen'

Das Haus im Städtchen

In Potsdam befand sich eine der Zentralen des sowjetischen Geheimdienstes und der sowjetischen Militärtribunale auf dem Boden der ehemaligen SBZ/DDR. Das Haus in der Leistikowstraße 1 diente ab 1945 als Gefängnis.

     
Das Haus in der Leistikowstraße 1 bei der Beschlagnahmung 1945 – damals Mirbachstraße 1

Kurz nach Kriegsende erteilte Generaloberst Iwan Serow einer Gruppe von Smersch-Offizieren den Befehl, in Potsdam das Hauptquartier für die Spionageabwehrverwaltung in Deutschland aufzubauen. Im Mai 1945 – nur wenige Tage nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – bezogen die ersten Einheiten des sowjetischen Geheimdienstes Gebäude in Potsdam.

Lageplan des
Militärstädtchens Nr. 7

Nutzung der Gebäude

  • Das „Städtchen Nr. 7“
  • Das Haus Leistikowstraße 1

Das „Städtchen Nr. 7“

Nach der Reichsgründung im Jahre 1871 wurde die Nauener Vorstadt in Potsdam mit repräsentativen Stadtvillen bebaut. In der Folgezeit ließen sich hier berühmte preußische Familien nieder – z.B. von Bismarck, von Oppen, von Mirbach. In diesem Viertel befanden sich auch die Villen einiger am Attentatsversuch auf Hitler vom 20. Juli 1944 Beteiligter sowie von Mitgliedern der Bekennenden Kirche. Die Sowjetische Militäradministration (SMAD) requirierte unmittelbar nach dem Ende der Potsdamer Konferenz im nahe gelegenen Schloss Cecilienhof (17. Juli – 2. August 1945) das Gebiet am Neuen Garten.
Nach Vertreibung der Bewohner wurde um das Gebiet eine zwei Meter hohe Mauer gebaut und durch Wachtürme gesichert. Von den rund 15.000 Angehörigen der sowjetischen Armee, die in Potsdam stationiert waren, durften lediglich hohe Offiziere und ihre Familien in das „Militärstädtchen Nr. 7“ einziehen. Des weiteren befanden sich in dem „Städtchen Nr. 7“ die Kommandozentralen der sowjetischen Geheimdienste sowie für einige Monate auch die Hauptverwaltungen der verschiedenen Waffengattungen der Roten Armee.
Im Jahre 1994 gaben die russischen Streitkräfte das 16 Hektar große Gelände an die Bundesrepublik zurück.
Bis Ende 1995 wurde der größte Teil der 110 Häuser und Liegenschaften an die Alteigentümer rückübertragen.

Das Haus Leistikowstraße 1

Im Jahre 1916 wurde das Haus des 1888 unter der Schirmherrschaft von Kronprinzessin Auguste Viktoria gegründeten „Evangelisch-Kirchlichen- Hilfsvereins“ (EKH) gebaut. Die damalige Mirbachstraße 1 beherbergte bis 1945 die Büroräume der vom EKH gegründeten „Frauenhilfe“ sowie die Dienstwohnung des leitenden Pfarrers. Nach der Beschlagnahmung durch die SMAD im Sommer 1945 wurde das Haus zum Gefängnis für die sowjetische Spionageabwehr umgebaut. Die SMAD inhaftierte hier zwischen August 1945 und Frühjahr 1947 die von Militärtribunalen verurteilten Gefangenen, bevor sie in andere Lager und Gefängnisse verlegt oder erschossen wurden. Seit Frühjahr 1947 diente das Haus als Untersuchungsgefängnis der Spionageabwehr für das gesamte Gebiet der SBZ/DDR mit Ausnahme Ost-Berlins.
Deutsche Staatsangehörige waren hier nachweislich bis 1953 inhaftiert. Ab 1955 wurde das Gefängnis von Militärgerichten für sowjetische Staatsangehörige genutzt. Es ist nachweisbar, dass bis mindestens 1983 sowjetische Soldaten inhaftiert waren. Bis zum Abzug der russischen Truppen 1994 diente das Haus vermutlich als Lager für Chemikalien und anderes.
Die Mirbachstraße wurde in der sowjetischen Besatzungszeit in „Uliza Sportiwnaja“ (Sportstraße) umbenannt. Heute heißt sie Leistikowstraße.

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