Vorwort zur Ausstellung

Vorwort zur Ausstellung

Das Gebiet zwischen Pfingstberg und Neuem Garten war ein halbes Jahrhundert lang ein „blinder Fleck“ in der Topographie Potsdams. Nach Abzug der russischen Truppen 1994 begannen die ersten vorsichtigen Erkundungen auf diesem Gelände. Der Evangelisch-Kirchliche-Hilfsverein war plötzlich Besitzer eines Gefängnisses statt der Villa, die das Haus in der heutigen Leistikowstraße1 einmal war. Und er wandte sich an uns, um zu erfahren, was russische Dissidenten für Vorschläge zur Nutzung des Hauses zu machen hätten. Alle, denen wir das Haus zeigten, waren der Ansicht, es müsse in seinem jetzigen, mahnenden Zustand erhalten bleiben.

Im Herbst 1997 eröffneten wir eine erste, vorläufige Ausstellung in der zweiten Etage des einstigen Gefängnisses, die wir zusammen mit MEMORIAL in Sankt Petersburg vorbereitet hatten. So begann an diesem Ort sowjetisch-deutscher Geschichte eine deutsch-russische Auseinandersetzung mit eben dieser Geschichte. Die Potsdamer, die die Ausstellung sahen, waren sich mit den ehemaligen Häftlingen, welche sich bei uns meldeten, einig: Dieses Haus soll ein Gedenkort sein. Einige der ehemaligen Häftlinge erklärten sich zu Interviews bereit, und so konnte 1999 das Buch erscheinen, welches wie die Ausstellung „Von Potsdam nach Workuta“ heißt. Workuta steht hier sinnbildlich für alle sowjetischen Lager und Gefängnisse, in die die Insassen dieses Gefängnisses gebracht wurden. Im Mai 2000 eröffneten wir die Dauerausstellung, die allein in den ersten drei Jahren von mehr als 12.000 Menschen besucht wurde.

Signifikant für diese Ausstellung ist, dass sie sich am historischen Ort befindet. Der Katalog, den man ja auch außerhalb des Hauses zur Hand nehmen wird, ist daher um einige Bilder von diesem authentischen Ort ergänzt worden. Wie die Ausstellung ist er in einen allgemeinen Teil über die Geschichte des Gefängnisses und das Schicksal der Gefangenen sowie einen zweiten, biografischen Teil mit Einzelporträts ehemaliger Häftlinge gegliedert.

Ziel der Ausstellung wie des Katalogs ist es, den einstmals „blinden Fleck“ in der jüngeren Geschichte Potsdams zu beleuchten und an die Menschen zu erinnern, die hier gelitten haben. Auf diese Weise wollten und wollen wir dem Haus, das so lange verriegelt und versteckt war, Öffentlichkeit verschaffen.

Wir freuen uns, mit diesem Katalog den zahlreichen Nachfragen nach einer Dokumentation der Ausstellung in Taschenformat entsprechen zu können. Unser Dank gilt allen, die zu seiner Realisierung beigetragen haben, vor allem aber den ehemaligen deutschen und sowjetischen Häftlingen, die durch die Interviews und die Bereitstellung von Dokumenten Ausstellung und Katalog ermöglicht haben.

MEMORIAL Deutschland e.V., 2003

     
Eröffnung der Besuchersaison am
1. Mai 2005
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