Biografie Hergart Wilmanns
Hergart Wilmanns

Hergart Wilmanns
geb. 1928 in Bonn
verst. 2007

5.8.1928Geboren in Bonn
Russische Sprachkenntnisse schon vor Kriegsende
22.5.1947Als Schülerin von Zuhause (Kreis Wittenberg) abgeholt

Verhöre in Glindow
29.5.1947Verlegung in das Gefängnis Potsdam-Leistikowstraße
24.12.1947Verlesung des Urteils des Sondergerichts aus Moskau: 10 Jahre wegen Spionageverdachts
25.12.1947Haft in der Soldatenfestung in Torgau
13.2.1948Abtransport in die Sowjetunion
10.4.1948Ankunft in Workuta, Lagerhaft im Ersten Kilometer, Predschachtnaya und im Lager II Ziegelei
22.6.1953Entlassung und Transport nach Deutschland über Tapiau (ehem. Ostpreußen) und Fürstenwalde
28.12.1953Ankunft in Berlin
8.1.1954Entlassung aus dem Grenzdurchgangslager Friedland
1954Abitur
1954 – 1959Studium der Slawistik, Volkswirtschaft und Sozialwissenschaften und Promotion
1959 – 1960Forschungsaufenthalt an der Harvard University, USA
ab 1961Berufstätigkeit in vergleichender Osteuropaforschung in Frankfurt, Freiburg und München
1963 – 1967Mehrere wissenschaftliche Reisen in die Sowjetunion und nach Polen
1971 – 1992Sie arbeitete im Bayerischen Staatsministerium für Umweltfragen

Hergart Wilmanns beschreibt die hygienischen Zustände im Lager Workuta:

„Ungefähr 12 Ratten sind Mitbewohner in unserer Baracke. Sie haben in etwa die Größe von mittelgroßen Kaninchen. Wenn sie abends auftauchen, folgen sie einem feststehenden Ritual. Zunächst laufen sie im Karussell hintereinander durch die Baracke, immer dicht hinter der Schwanz- spitze der Vorherlaufenden, fast wie beim Reiten auf dem Zirkel, indes im gestreckten Galopp. Das scheint ihnen Spaß zu machen, sie pfeifen laut, führen sich auf wie die Beherrscher der Baracke und lassen sich auch nicht stören, wenn man mit harten Gegenständen nach ihnen wirft. Zuerst ziehen sie ihre Kreise auf dem Boden, dann lockern sie die Ordnung und springen von einer Pritsche zur andern. Mit ihren scharfen Zähnen sägen sie in kürzester Zeit Löcher in die kleinen Schränkchen zwischen den Pritschen, wenn sie dort Brot, Esswaren oder auch mal Seife vermuten. Sie suchen die unteren Pritschen nach Fressbarem ab. Dann klettern sie an den Leisten in die obere Etage, um dort weiter zu forschen. Zwischendurch beehrte mich eine fette Ratte regelmäßig mit ihrem Besuch … Gelegentlich verhedderte sie sich mit ihren Pfoten in meinen Haaren, einmal verfing sie sich mit Kopf und Vorderpfoten in meinem Blechbecher, konnte sich nicht mehr befreien und rappelte und zappelte mit dem Becher wild gegen das Holz. Von Ekelgefühlen geschüttelt, schob ich sie samt Becher rückwärts gegen den Pritschenrand und schubste sie hinunter. Danach war sie eine Weile nicht zu sehen.“                       Quelle: Hergart Wilmanns: Blumen im Beton, Nürnberg 2001

In diesem Raum von eineinhalb mal zwei Metern, wohl ehemals einem Durchgang, erstreckte sich von Wand zu Wand
eine Pritsche, lediglich vor der Tür war ein Zwischenraum
von kaum einem halben Meter gelassen. Der durchdringende
scharfe Gestank eines offenen Marmeladeneimers in der Ecke
ließ keinen Zweifel über seine Funktion.
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