Biografie Marlise Steinert
Marlise Steinert

Marlise Steinert
geb. Hoffmann
geb. 1904 in Riga
gest. 1982

5.10.1904Geboren in Riga/Lettland

Heirat mit Christoph Steinert

Geburt der 3 Kinder
Jan. 1945Flucht mit Kindern, Mutter und Schwester nach Potsdam
Aug. 1945Dolmetscherin beim Chef der Verwaltung des NKGB/MGB im „Militärstädtchen Nr. 7“ in Potsdam
14.8.1947Verhaftung durch das MGB, Untersuchungshaft im Gefängnis Potsdam-Leistikowstraße
20.9.1947Transport nach Moskau
1947–1948Zwölf Monate Untersuchungshaft im Lefortowo- und Lubjanka-Gefängnis in Moskau
22.9.1948Verurteilung zu 15 Jahren Lagerhaft wegen angeblicher Spionage
23.9.1948Transport nach Kasachstan, Haft in den Lagern Karabas und Spassk
18.6.1953Amnestiert nach Stalins Tod
27.6.1953Entlassung und Rücktransport
31.12.1953Ankunft bei der Familie in Verden/Aller
26.4.1982Marlise Steinert stirbt in Verden/Aller
1998Rehabilitierung durch die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation

„Es wurde allmählich dunkler draußen. In der Zelle brannte elektrisches Licht. Die Wachposten lösten sich ab, und der Schritt der Soldaten hallte auf dem Pflaster. Sie sangen, wie sie es ja allabendlich zu tun pflegten, nur hörte es sich aus der Zelle ganz anders an als sonst vom Zimmer aus. Abendbrot wurde gebracht, dicke Graupensuppe mit Kartoffeln und Fleisch …

Und bald drauf oder lange? Es ging noch einmal die Tür auf, und ich wurde zum Verhör gerufen. Das Zimmer war recht geräumig, in dem Kulischew mich erwartete. Nun hatte ich keine Frisur mehr, sondern einen gewöhnlichen Zopf, und es war mir doch etwas unbequem [peinlich], so zu erscheinen … Es war eine Uhr im Zimmer – gegen 4 Uhr wurde ich in die Zelle zurückgeführt … Am anderen Tage wurde ich vormittags wieder zum Verhör geholt … So gingen die Tage. Vormittags und nachmittags Verhöre, manchmal auch nachts …

Einmal sollte ich in einem Vorraum warten, da wurde ein Fenster geöffnet, ich sollte bisschen frische Luft haben. Aber von dort konnte ich den Giebel der Pfingstkirche sehen und mir war es so schwer, fast sehe ich unsere Fenster und kann nicht rufen, nichts sagen. Sie wissen es gar nicht, dass ich so nah von zu Hause bin. Was denken sie, wo ich bleibe …“ Quelle: Marlise Steinert: Zelle–Baracke–Erdloch.

Die Bewohner sehen uns mitleidig und
verstehend nach. An diesen Blick so ohne
jeden Vorwurf habe ich noch manchmal
gedacht. Fast jede Familie hat jemanden im
Gefängnis. Sie kennen die Not und wissen,
dass nicht jeder Geführte schuldig ist.
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